Ruedi Noser
Ruedi Noser
22.03.2019

Ein Blick hinter die Kulissen des Stöckli

„Ruedi, du bist doch IT-Spezialist, kannst du mir helfen? Mein Handy funktioniert nicht" wandte sich in der ersten Sessionswoche ein Parlamentskollege an mich. Ich wurde fast etwas sentimental; IT-Spezialist war ich, als ich vor sechzehn Jahren gewählt wurde. In der Zwischenzeit hat sich die Informatik so sehr weiterentwickelt, dass ich heute nicht mehr up- to-date bin. Besonders, wenn ich mich mit meinen Kindern im Teenageralter vergleiche. 
Aber versuchen kann ich’s ja trotzdem, also nehme ich mich dem Handy des Kollegen an und sehe, dass wirklich gar nichts mehr geht. „Hast du es geladen?" fragte ich. „Ja, die ganze Nacht", beteuerte er.

In den letzten sechzehn Jahren habe ich oft geholfen. Meistens waren die Fragen einfach: Neues Telefon macht Schwierigkeiten. Wie funktioniert Twitter? Wie reagiere ich auf eine Kritik auf Social Media? Wie akzeptiere ich Freunde auf Facebook? Zum Reset-Knopf wur- de ich leider nie angefragt, sonst hätte ich erklären können, dass bei einem Reset ein Sys- tem lediglich auf seinen Anfangszustand zurückgesetzt wird, sich aber im System nichts verändert.

Die Anfragen wurden seltener in den letzten Jahren. Einerseits sind die Parlamentarier heute viel IT-affiner und anderseits gibt es heute zahlreiche IT-Spezialisten oder junge Parlaments- kolleginnen und -kollegen, die vermutlich besser unterstützen können als ich. Die digitale Kompetenz im Parlament ist gewaltig gestiegen. Praktisch alle Parlamentarier arbeiten heu- te mit Laptop oder Tablet. Sämtliche Unterlagen sind heute elektronisch verfügbar und im Ständerat ist es sogar offiziell erlaubt, im Saal ein Tablet zu verwenden. In den letzten sech- zehn Jahren wurde ich folglich vom digitalen Avantgardisten zum digitalen Durchschnitt.

Ich nehme mein Ladegerät und stecke das Handy des Kollegen ein – Ladezustand: 2%, Akku war leer. Zufrieden sage ich meinem Kollegen, sein Handy sei in dreissig Minuten wie- der einsatzbereit. Zumindest bei diesem Problem konnte ich ihm auch als IT-Dinosaurier weiterhelfen.